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Artikel 03.05.2013 Deut­sche Min­der­hei­ten in Staa­ten der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on

In den souveränen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion leben heute schätzungsweise noch rund 750.000 Angehörige der deutschen Minderheiten.

Bis zur politischen Wende Ende der 1980er Jahre bekannten sich etwa 2 Millionen Sowjet-Bürger zu ihrer deutschen Abstammung. Zum überwiegenden Teil sind dies Nachfahren der vor 200 bis 250 Jahren auf Einladung russischer Zaren aus deutschen Teilstaaten eingewanderten Landwirte, Handwerker und anderer Fachkräfte. In ihren heutigen Lebensräumen sind sie als nationale Minderheit anerkannt. Ihre aktuelle Situation – Migrationsbewegungen, Selbstidentifikation, gemeinschaftliche Verfassung, Sprachsituation – ist nachhaltig von den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges geprägt.

Warum unterstützt die Bundesrepublik Deutschland die Deutschen in Staaten der ehemaligen Sowjetunion?

Die Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion haben durch Vertreibung und Verbannung, Unterdrückung und Repression während und noch lange nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein besonders schweres Schicksal erlitten. Vor dem Hintergrund der Mitverantwortung Deutschlands ist es der Bundesregierung daher ein wichtiges Anliegen, dieser Gemeinschaft bei der Bewältigung ihres besonderen Kriegsfolgenschicksals zu helfen.

Obwohl die deutsche Minderheit in der frühen Sowjetunion fest verwurzelt und als nationale Minderheit etabliert war, geriet sie in Folge der Kriegshandlungen Deutschlands gegen die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg unverschuldet unter den Verdacht staatlicher Illoyalität. Dieser Verdacht hatte tiefgreifende Repressionsmaßnahmen zur Folge. Selbst nach der allmählichen Lockerung der staatlichen Maßnahmen ab 1955 war die deutsche Minderheit dort weiterhin Anfeindungen und Repressionen ausgesetzt. Erst seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist es der Bundesregierung möglich, der deutschen Minderheit die dringend benötigte Hilfe im größeren Umfang zu gewähren. Wer nach Deutschland ausreisen wollte und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, kann seitdem hier dauerhaft Aufnahme finden. Diejenigen, die in den Herkunftsgebieten bleiben wollen, können dort die notwendige Unterstützung aus Deutschland erhalten.

Die deutsche Minderheit als Bestandteil und Partner im zivilgesellschaftlichen Dialog

Galt es zunächst, den Deutschen in den Herkunftsgebieten mit gezielten Hilfsmaßnahmen in erster Linie eine wirtschaftliche Lebensperspektive zu eröffnen, so konnten die Förderschwerpunkte in den Folgejahren entsprechend den politischen Entwicklungen angepasst werden. Die Bindung an die deutsche Sprache und die dauerhafte Sicherung ihrer kulturellen Identität sind für die Angehörigen der deutschen Minderheit allerdings bis heute von essentieller Bedeutung. Dabei bildet das gemeinsam erlittene Kriegsfolgenschicksal ein wesentliches Merkmal der eigenen Identität. Neben der Verbesserung ihrer Lebens- und Zukunftsperspektiven fördert die Bundesregierung daher Maßnahmen zur Wahrung und Stärkung ihrer Identität. Sie unterstützt den Aufbau zukunftsfähiger Selbstverwaltungen, mit denen die jeweilige deutsche Minderheit die Möglichkeit erhält, die Gesellschaft ihres Landes aktiv in ihrem Sinne mitzugestalten.

Heute bietet die jeweilige deutsche Minderheit als bikulturelles Bindeglied eigener Prägung besondere Chancen zur Entwicklung kultureller Brücken und Netzwerke sowie zum Aufbau dauerhafter zivilgesellschaftlicher Verbindungen in die ehemaligen Sowjetrepubliken.

Unterpunkte

Deutsche Minderheit in der Russischen Föderation

Nach den vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung 2010 bekennen sich noch rund 400.000 Personen zur deutschen Volkszugehörigkeit. Mehr: Deutsche Minderheit in der Russischen Föderation …

Deutsche Minderheit der Republik Kasachstan

Nach Angaben der Volkszählung des Jahres 2012 leben etwa noch 180.000 ethnische Deutsche in der Republik Kasachstan, besonders viele von ihnen in Gebieten Nord- und Ostkasachstans. Mehr: Deutsche Minderheit der Republik Kasachstan …

Deutsche Minderheit der Ukraine

Etwa 33.000 ethnische Deutsche leben nach Angaben der ukrainischen Volkszählung von 2001 in der heutigen Ukraine. Ihre Siedlungsräume sind dabei wenig konzentriert, sondern über das ganze Land verteilt. Mehr: Deutsche Minderheit der Ukraine …

Deutsche Minderheit in der Kirgisischen Republik

Von den ehemals etwa 100.000 ethnischen Deutschen in Kirgistan sind heute nach Angaben des kirgisischen Statistikamtes noch 8.766 Staatsbürger, die sich als Deutsche bezeichnen, verblieben. Mehr: Deutsche Minderheit in der Kirgisischen Republik …

Deutsche Minderheit in der Republik Usbekistan

Heute leben nach Angaben der Deutschen Kulturzentren etwa 10.000 usbekische Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit in dem zentralasiatischen Staat. Ende der 1980er Jahre war die Minderheit noch viermal so groß. Mehr: Deutsche Minderheit in der Republik Usbekistan …

Deutsche Minderheit in anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion

Auch in anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion lebten bzw. leben Angehörige der deutschen Minderheit. Mehr: Deutsche Minderheit in anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion …

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