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Artikel Sor­bi­sches Volk

Das sorbische Volk lebt ausschließlich in Deutschland, und zwar in der Oberlausitz (Freistaat Sachsen) als Obersorben und der Niederlausitz (Land Brandenburg) als Niedersorben

Das Volk der Sorben, ursprünglich slawische Stämme nordöstlich der Karpaten, kam vor rund 1.500 Jahren in das Gebiet zwischen Ostsee und Erzgebirge. In der Ober- und Niederlausitz konnte es seine kulturelle Eigenart über die Jahrhunderte zum Teil bewahren und entwickeln - unterbrochen unter anderem durch die Politik der Nationalsozialisten im Dritten Reich.

Die sorbischen Schriftsprachen Obersorbisch und Niedersorbisch

Es gibt zwei sorbische Sprachen: Niedersorbisch und Obersorbisch. Vor allem das Niedersorbische ist vom Aussterben bedroht. Niedersorbisch wird heute in vier Landkreisen im Südosten des Landes Brandenburg, Obersorbisch in vier Landkreisen im Nordosten des Freistaates Sachsen gesprochen.

In obersorbischer Sprache erscheint die Tageszeitung "Serbske Nowiny" (Sorbische Zeitung), in niedersorbischer Sprache die "Nowy Casnik" (Neue Zeitung) sowie monatlich die Kulturzeitschrift "Rozhlad" (Umschau) sowie weitere Fach- und Kinderzeitschriften.

Domowina - Bund Lausitzer Sorben e.V.

Die Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V. mit Sitz in Bautzen ist der Dachverband sorbischer Vereinigungen. Ziel der Domowina ist es, die Sprache, Kultur und Traditionen des sorbischen Volkes zu bewahren und weiter zu entwickeln. Sie vertritt die Interessen der Sorben gegenüber Politik, Staat und Öffentlichkeit. Ferner initiiert und unterhält sie internationale Kontakte zu den slawischen Nachbarn und anderen Volksgruppen sowie nationalen Minderheiten in Europa. Der Bund, der Freistaat Sachsen und das Land Brandenburg fördern die Domowina über die Stiftung für das sorbische Volk.

Stiftung für das sorbische Volk

Die Stiftung soll den Sorben eine weitgehend selbstbestimmte Gestaltung ihrer Belange bei finanzieller Förderung durch den Bund, das Land Brandenburg sowie den Freistaat Sachsen ermöglichen. Sitz der Stiftung ist Bautzen, mit einer Außenstelle in Cottbus und drei Regionalbüros.

Zweck der Stiftung ist es, die sorbische Sprache und Kultur als Ausdruck der Identität des sorbischen Volkes zu pflegen.

Das Sorbische Institut

Volkstumsforschung und wissenschaftliche Arbeit liegen beim Sorbischen Institut, mit den speziellen Bereichen sorbische Sozial- und Kulturgeschichte, Sprachentwicklung, Volkskunde und Kultur und Kunstwissenschaften.

Dem Sorbischen Institut sind das Sorbische Kulturarchiv und die Sorbische Zentralbibliothek angeschlossen.

Rechtsgrundlagen

Einen ausdrücklichen Schutz erfährt die nationale Minderheit der Sorben zum einen durch eine Protokollnotiz zum Einigungsvertrag zum anderen auch durch Gesetze der Länder Brandenburg und Freistaat Sachsen, in denen die Minderheit lebt.

Protokollnotiz zum Einigungsvertrag

Auf dem Weg zur deutschen Einheit hatten die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik am 31. August 1990 den Einigungsvertrag geschlossen, der am 29. September 1990 in Kraft trat. In einer Protokollnotiz zu diesem Vertrag wurde ausdrücklich auf die besonderen Rechte des sorbischen Volkes eingegangen.

Brandenburg

Die Verfassung des Landes Brandenburg garantiert den Sorben (Wenden) in Art. 25 das Recht auf Schutz, Erhalt und Pflege ihrer nationalen Identität, des angestammten Siedlungsgebietes, der kulturellen Eigenständigkeit sowie das Recht auf eine wirksame politische Mitgestaltung. Zudem verpflichtet sich das Land zum Schutz und zur Förderung der sorbischen Sprache und Kultur.

Im Jahr 1994 verabschiedete das Land Brandenburg das Gesetz zur Ausgestaltung der Rechte der Sorben (Wenden) im Land Brandenburg. Auf Grund des Gesetzes bestehen in Brandenburg der Rat für sorbische (wendische) Angelegenheiten und der/die Beauftragte für Angelegenheiten der Sorben (Wenden) bei den Kommunen im sorbischen Siedlungsgebiet. Schließlich werden der Schutz und die Förderung der sorbischen Sprache und Kultur dadurch gesetzlich zugesichert.

Das Landeswahlgesetz Brandenburgs enthält dem Bundestagswahlrecht entsprechende Privilegierungen der Parteien nationaler Minderheiten. Das heißt, die sogenannte Fünfprozentklausel, gilt für die Parteien der nationalen Minderheiten der Sorben nicht.

Sachsen

Auch die Verfassung Sachsens garantiert Rechte der Sorben. So wird ihnen erlaubt, in ihrem Siedlungsgebiet neben den Landesfarben und dem Landeswappen Farben und Wappen der Sorben zu nutzen (Art. 2). In Art. 5 der Verfassung erkennt der Freistaat das Recht auf Heimat an und verpflichtet sich, das Recht nationaler und ethnischer Minderheiten deutscher Staatsangehörigkeit auf Bewahrung ihrer Identität sowie auf Pflege ihrer Sprache, Religion, Kultur und Überlieferung zu gewährleisten und zu schützen. Das sorbische Siedlungsgebiet wird geschützt und die Sorben als Teil des Staatsvolkes anerkannt (Art. 6).

Das sächsische Gesetz über die Rechte der Sorben schreibt einen Rat für sorbische Angelegenheiten vor und erlaubt zudem die Interessenvertretung der Sorben auf allen staatlichen Ebenen durch einen Dachverband von sorbischen Verbänden und Vereinen. Darüber hinaus ist die sächsische Landesregierung verpflichtet, mindestens einmal in jeder Legislaturperiode Bericht zu erstatten über die Lage der Sorben in Sachsen.

Gremien: Beratender Ausschuss für Fragen des sorbischen Volkes

Er setzt sich unter Vorsitz des Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten entsprechend der Geschäftsordnung zusammen aus Vertretern des Bundesministeriums des Innern, drei vom Dachverband Domowina benannten Angehörigen des sorbischen Volkes, einem Vertreter der Stiftung für das sorbische Volk sowie je einem Vertreter der Regierungen Brandenburgs und des Freistaates Sachsen. Abgeordnete des Deutschen Bundestages und Vertreter weiterer Bundesministerien werden zu den Sitzungen eingeladen.

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