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Rede Bun­des­be­auf­trag­ter Koschyk im Dia­log mit deutsch­spra­chi­gen Stu­den­ten an der Wirt­schafts­aka­de­mie Bu­ka­rest

Datum
12.04.2017
Redner
Hartmut Koschyk, MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, nimmt im Anschluss an die 20. Sitzung der Deutsch-Rumänischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der deutschen Minderheit in Rumänien, die Einladung der Academia de Studii Economice din București (ASE) und der Konrad-Adenauer Stiftung in Bukarest an und hält an der Wirtschaftsuniversität ASE einen Vortrag zum Thema „Deutsch-Rumänische Beziehungen: Kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen“ mit anschließender Diskussion.

Die Wirtschaftsakademie Bukarest (rumänisch: Academia de Studii Economice din București, kurz ASE) ist eine staatliche wirtschaftswissenschaftliche Universität in der rumänischen Hauptstadt Bukarest mit 49.000 Studenten und 2.000 wissenschaftlichen Angestellten. Sie wurde am 6. April 1913 durch den rumänischen König Karl I. gegründet.

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Redebeitrag von Bundesbeauftragtem Koschyk:

Es gilt das gesprochene Wort

Ich bedanke mich sehr herzlich für die Einladung der Academia de Studii Economice din București (ASE) und der Konrad-Adenauer Stiftung. Ich freue mich, heute hier an Ihrer Hochschule über die Deutsch-Rumänischen Beziehungen sprechen zu dürfen. Im Speziellen möchte ich dabei auch auf die Rolle der deutschen Minderheiten im Kontext der bilateralen Beziehungen eingehen, um Ihnen von meiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung Deutschland für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten berichten zu können.

In den deutsch-rumänischen Beziehungen ist das Jahr 2017 ein durchaus besonderes Jahr: wir begehen den 50. Jahrestag der Aufnahme der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien und den 25. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa. Demnach könnte man sogar von einer silbernen bzw. goldenen Hochzeit der bilateralen Zusammenarbeit sprechen. Darüber hinaus wird in diesem Jahr das 10-jährige Jubiläum des Beitritts Rumäniens zur Europäischen Union gefeiert, der in der Zeit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft vollzogen wurde.

Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien sind traditionell eng und freundschaftlich. Bei der Vorbereitung auf den Beitritt zur EU und der Integration Rumäniens in die EU hat Deutschland umfangreiche Unterstützung geleistet. Beide Länder arbeiten auch im Rahmen der NATO, der Vereinten Nationen, der OSZE, des Europarates und im Rahmen regionaler EU-Initiativen wie der Donauraumstrategie und der Östlichen Partnerschaft eng zusammen.

Zwischen Deutschland und Rumänien besteht folglich ein kontinuierlicher hochrangiger politischer Besuchsaustausch. Der ehemalige Bundespräsident Gauck besuchte Rumänien im Juni 2016 im Rahmen eines Staatsbesuches und traf sich u. a. mit Staatspräsident Johannis und Ministerpräsident Ciolos. Der rumänische Staatspräsident Klaus Johannis besuchte am 6. Februar 2015 letztmals Berlin und wurde dabei vom damaligen Bundespräsidenten Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert empfangen. Unser jetziger Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte als Außenminister Anfang März 2015 Rumänien und zwar nicht nur Bukarest, sondern auch Hermannstadt/Sibiu, wo ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde. Ich durfte ihn dabei begleiten.

Darüber hinaus gab es in den letzten Jahren zahlreiche weitere wechselseitige Besuche, nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Landesebene.

Auch ich darf auf eine erfolgreiche deutsch-rumänische Zusammenarbeit zurückblicken. Vor der deutsch-rumänischen Regierungskommissionssitzung, die die letzten beiden Tage hier in Bukarest stattfand, empfing ich erst im März den rumänischen Staatssekretär im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, George Ciamba, im Bundesministerium des Inneren in Berlin zu einem informationsreichen und erfolgsorientierten Vorgespräch. Als Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten leite ich gemeinsam mit dem zuständigen Staatssekretär im rumänischen Außenministerium die jährlich stattfindenden Sitzungen der Deutsch-Rumänischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der deutschen Minderheit in Rumänien. Grundlage dieser jährlichen Sitzungen ist der Deutsch-Rumänische Freundschaftsvertrag.

Lassen Sie mich zunächst auf die wirtschaftlichen Verbindungen unserer beiden Länder eingehen. Die Handelsbeziehungen zwischen Rumänien und Deutschland entwickeln sich seit Jahren sehr positiv. Deutschland ist Handelspartner Nr. 1 und nimmt mit rund 8 Mrd. EUR den dritten Platz bei den ausländischen Direktinvestitionen ein. Formell sind ca. 21.449 Unternehmen mit deutscher Beteiligung am gezeichneten Kapital, das Ende September 2016 4,66 Mrd. EUR betrug, in Rumänien tätig.

Nach bereinigten Zahlen sind davon ca. 8.000 Unternehmen tatsächlich am Markt aktiv. Eine Reihe deutscher Unternehmen tätigt zudem ihre Investitionen über Tochterunternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, die somit in den rumänischen Statistiken nicht als deutsche Investitionen erscheinen, formell aber durchaus dazugehören. Das bilaterale Handelsvolumen betrug im Jahr 2015 23,3 Mrd. EUR (rum. Exporte: 10,8 Mrd. EUR, rum. Importe: 12,5 Mrd. EUR) - ein Anstieg um 9,4% im Vergleich zum Vorjahr (in den ersten sieben Monaten 2016 14,93 Mrd. EUR). Die enorme Bedeutung der wirtschaftlichen Handelsbeziehung ist demnach nicht von der Hand zu weisen.

Dabei sind deutsche Wirtschaftsaktivitäten in Rumänien durchaus divers: in fast jeder Branche gibt es deutsche Marktteilnehmer. Der Schwerpunkt der deutschen Investitionen liegt jedoch im Bereich der KfZ-Zulieferbranche, aber auch Dienstleistungsunternehmen und große Einzelhandelsketten leisten einen wesentlichen Beitrag zum rumänischen BIP.

Lassen Sie mich an dieser Stelle als besonders Beispiel auch den aus Siebenbürgen stammenden Unternehmer Michael Schmidt erwähnen, der vor über 30 Jahren mit seinen Eltern als Aussiedler nach Deutschland kam.

Als Michael Horst Schmidt wurde er am 20. Juli 1960 in Deutsch-Kreuz in Siebenbürgen als Sohn des Lkw-Fahrers Michael Schmidt und seiner Frau Anna geboren. Zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern siedelten sie 1981 nach Deutschland aus.

Mit viel Engagement und Risikobereitschaft hat er die Automobile Bavaria Group aufgebaut und ist damit ein angesehener und erfolgreicher Unternehmer geworden. Er arbeitete sich als einziger BMW-Importeur gegen viel Wiederstand und Misstrauen, dass BMW in Rumänien erfolgreich werden kann, empor. Mit seinen vielen Zweigbetrieben in Rumänien, sei es in Kronstadt, Hermannstadt, Klausenburg oder andernorts, bietet er fast 1.000 Menschen einen gesicherten Arbeitsplatz.

Was ich aber ganz besonders an ihm schätze: Michael Schmidt ist nicht nur ein gelungenes Beispiel für erfolgreiche Integration und Unternehmerwillen sondern auch sehr eng mit der Wahrung seiner rumänischen Identität und Heimat verbunden: Nach über 20 Jahren in Deutschland hat Michael Schmidt im Jahr 2010 die Michael Schmidt Stiftung als Non Profit-Organisation gegründet, welche sich zum Ziel gesetzt hat, die siebenbürgisch-sächsische Kultur zu erhalten. Des Weiteren unterstützt er Projekte, die das Bildungswesen in deutscher Sprache fördern sowie humanitäre Ziele in Rumänien verfolgen. Er fühlt sich seiner Herkunft, seiner Familie, seinen Freunden und vor allem dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und dem Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) stark verbunden.

Diese Verbundenheit zu seinen Landsleuten spiegelt sich vor allem in seinen Hilfsleistungen und Spenden an siebenbürgische Einrichtungen wider, die Jugendarbeit, aber auch in der Teilnahme an sozialen Projekten in Siebenbürgen, wie z.B. der „Peter Maffay Stiftung“.

Die am 5. September 2002 eröffnete Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer (AHK) in Bukarest (mit ca. 500 Mitgliedsunternehmen) fördert zudem die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen und vertritt alle wichtigen Messegesellschaften vor Ort. Nach Schätzungen der AHK beschäftigen ihre Mitglieder in Rumänien allein ca. 300.000 Mitarbeiter. Folglich ist durchaus von einer regen, aktiven und starken Zusammenarbeit zu sprechen.

Deutsche Wirtschaftsclubs in Bukarest, Hermannstadt/Sibiu, Kronstadt/Braşov, Temeswar/Timişoara, Arad, Klausenburg/Cluj-Napoca, Sathmar/Satu Mare, Bacău und Neumarkt/Tîrgu Mureş sind darüber hinaus Foren für die Vertreter der deutschen Privatwirtschaft in Rumänien. Nicht zu vergessen ist hierbei auch das im Jahr 2008 eröffnete Germany Trade and Invest Korrespondentenbüro in Rumänien, welches ebenfalls den bilateralen ökonomischen Austausch auf eine neue Stufe gehoben hat.

Darüber hinaus gewähren wir über die fünf lokalen Wirtschaftsstiftungen finanzielle Hilfen für rumäniendeutsche und rumänische Unternehmer, die wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen wollen oder Investitionen für den Ausbau ihres Betriebes benötigen. Die Wirtschafsstiftungen sind die BVIK Banatia, die Saxonia Transilvania, die Sathmarer Stiftung (SSIK), die Transcarpatica und die ACI Bukowina.

Auf diesem Wege stärken wir nicht nur den Wohlstand der deutschstämmigen Bürger, sondern schaffen zudem Arbeitsplätze für die gesamte Bevölkerung und tragen dadurch zu einem stabilen ökonomischen Umfeld bei.
2017 werden von den Wirtschaftsstiftungen bis zu 510.000 an zinslosen oder zinsverbilligten Darlehen gewährt, die Unternehmen aus Landwirtschaft, Medizin, Handwerk, Produktion, Dienstleistung und vielen weiteren Branchen zugutekommen werden. Die Finanzierungshilfen zielen dabei vor allem auf langfristig nutzbare Investitionen ab. Sie dienen der Verbesserung von Wirtschaft und Infrastruktur in den Gebieten, die von Angehörigen der deutschen Minderheit bewohnt sind, der Erhaltung bestehender Arbeitsplätze und der Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten. Seit Beginn der Förderung wurden mit deutschen Mitteln insgesamt 2.627 Betriebe mit 3.027 Kreditverträgen unterstützt. Zudem konnten über 2.000 Beratungen durchgeführt werden, die Unternehmern Perspektiven zu geben und Hilfestellungen zu liefern vermochten. Darüber hinaus konnten dank der Stiftungen insgesamt 13.419 Arbeitsplätze geschaffen werden, was vielen Regionen einen deutlichen Wohlstandsgewinn einbrachte. Die rumänische Seite hat zugesichert, dass Kursdifferenzen bei der Kreditrückzahlung gemäß der rumänischen Steuergesetzgebung ebenso wenig besteuert werden wie die Bearbeitungsgebühren im Rahmen der Wirtschaftshilfen.

Wirtschaft ist gewiss nicht alles, aber ohne blühende Wirtschaft, ohne Wertschöpfung, Wachstum und Produktion gibt es auch nichts zu verdienen und zu verteilen. Es ist, ob uns das gefällt oder nicht, auch das Versprechen des wachsenden Wohlstands für alle, der in der Wahrnehmung vieler Menschen der modernen Demokratie und dem Rechtsstaat zur Akzeptanz verhilft. Die wirkungsvolle Bekämpfung von Korruption ist nicht nur eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum, für ein Wachstum, von dem die Menschen spürbar profitieren. Ein starker Staat mit rechtstreuen Institutionen ist wesentlicher Faktor für die Bekämpfung der Korruption. Ich habe deshalb großen Respekt vor den entsprechenden Anstrengungen in Rumänien und wir wünschen uns, dass diese Anstrengungen nicht zum Erliegen kommen.

In meiner Funktion als Bundesbeauftragter liegt es mir – wie bereits eingangs erwähnt - natürlich besonders am Herzen, über die deutsche Minderheit in Rumänien zu sprechen. Auch hier haben wir eine besonders positive Wechselwirkung mit der deutschen Wirtschaft und der rumänischen Mehrheitsbevölkerung.

Die deutsche Minderheit in Rumänien setzt sich aus unterschiedlichen Gemeinschaften zusammen, die teilweise bereits auf Siedlungsbewegungen im Mittelalter zurückgehen. Während der Zeit der kommunistischen Diktatur war zwar für einen Weiterbestand der deutschen Sprache und Kultur Sorge getragen, die deutsche Minderheit litt jedoch schwer unter den Verfolgungen des Ceaucescu-Regimes. Nach der politischen Wende von 1989/1990 erfolgte zudem eine starke Aussiedlungsbewegung von Rumäniendeutschen in die Bundesrepublik Deutschland.

Der deutschen Minderheit in Rumänien gehörten laut Volkszählung 2002 noch gut 60.000 Personen an. Die Ergebnisse der Volkszählung von 2011 sprechen von knapp 37.000 Personen, wobei die tatsächliche Zahl bei ca. 45.000 liegen dürfte. Die deutsche Minderheit ist im "Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien" (DFDR) mit Sitz in Hermannstadt organisiert, das im März 2015 in Gegenwart von Staatspräsident Johannis, der selbst Angehöriger der deutschen Minderheit ist und dem DFDR angehört, und dem damaligen Bundesaußenminister und jetzigen Bundespräsidenten Steinmeier sein 25-jähriges Bestehen feierte. Vorsitzender ist Dr. Paul-Jürgen Porr.

Die Minderheit stellt auch nach den Kommunalwahlen im Juni 2016 zahlreiche Kommunal- und Kreistagsabgeordnete in Sathmar und Siebenbürgen. In der Abteilung der Regierung für interethnische Beziehungen stellt die Deutsche Minderheit eine für sie zuständige Unterstaatssekretärin, Frau Christine Gertrud Cosmatu, die auch an der Regierungskommissionssitzung teilgenommen hat.

Als Abgeordneter der Minderheit im Nationalparlament wurde im Dezember 2016 der seit 2004 amtierende Ovidiu Ganţ wiedergewählt. Die Tatsache, dass so viele Rumäniendeutsche ein politisches Amt bekleiden, erfüllt mich dabei nicht nur mit Freude, sondern zeigt zugleich eine gut funktionierende Inklusion der deutschen Minderheit in die Mehrheitsgesellschaft.

Wie gut die deutsch-rumänische Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung ist, zeigt sich dabei natürlich besonders in schwierigen Zeiten. Ich bin sehr dankbar, dass die rumänische Seite die aktuellen medialen Angriffe einiger rumänischer Medien gegen die deutsche Minderheit mit Nachdruck zurückgewiesen hat. Im Kommuniqué der Regierungskommissionssitzung haben wir uns gemeinsam und einvernehmlich gegen diese Verleumdungskampagne gewandt.

Im April letzten Jahres fand in Goslar unter der gemeinsamen Leitung meinerseits und des damaligen Staatssekretärs im rumänischen Außenministerium, Victor Micular, die 19. Sitzung der Deutsch-Rumänischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Deutschen Minderheit in Rumänien statt. Schwerpunkte dieser intensiv geführten Diskussionen waren v. a. die Auswirkungen der deutschen Wirtschaftshilfen in Rumänien, die Entwicklung der dualen beruflichen Ausbildung, die Herausforderung des Erhalts der zahlreichen evangelischen Kirchenburgen in Siebenbürgen sowie die Gewinnung der jungen Generation für das Zusammenwirken beider Länder, um das reichhaltige Geschichts- und Kulturerbe der deutschen Gemeinschaften in Rumänien zu bewahren. Auch hierbei kommt unsere Arbeit allen Bewohnern der jeweiligen Regionen zugute, stehen die Einrichtungen doch auch Menschen offen, die keine deutsche Abstammung aufweisen.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang das großartige Engagement von Peter Maffay erwähnen. Bereits 2015 habe ich das siebenbürgische früher von Deutschen und heute überwiegend von Roma bewohnte Dorf Radeln/Roades besucht. Dort hat die Peter-Maffay-Stiftung das „Tabaluga-Haus“ für traumatisierte Kinder, einen Bio-Bauernhof und ein Bürgerhaus eingerichtet. Traditionell richtet Peter Maffay jährlich gemeinsam mit der Michael-Schmidt-Stiftung und dem Mihai-Eminescu-Trust die „Kulturwoche Haferland“ aus, in der die zahlreichen Kulturprojekte mit Gottesdiensten, Ausstellungen und weiteren Darbietungen vorgestellt werden.

Die nach wie vor sehr guten Deutschkenntnisse bei den Angehörigen der deutschen Minderheit sind jedoch zunehmend durch die chronische Unterfinanzierung des rumänischen Bildungswesens und der damit einhergehenden verschlechternden Versorgung im Deutschunterricht bedroht. Die Bundesregierung wendete deshalb im Jahr 2016 für Maßnahmen zur Unterstützung der deutschen Minderheit rund 4,7 Millionen Euro auf. Hinzu kamen Fördermittel der rumänischen Regierung in Höhe von ca. 1,9 Millionen Euro.

Dabei hat das deutsche Schulwesen in Rumänien eine jahrhundertelange Tradition und ist für die Bildungsgeschichte ganz Europas von herausragender Bedeutung. Nicht zuletzt dank seiner hervorragenden Schulen stellt die deutsche Minderheit der Banater Schwaben mit Herta Müller und Stefan Hell gleich zwei Nobelpreisträger. Es ist mir noch in bester Erinnerung, als ich im Mai letzten Jahres bei den zahlreichen Ehrungen für Professor Hell in seiner Heimat Banat zugegen sein durfte und als dieser dort zu seinem persönlichen Verhältnis zum Banat sagte:
„Man kann mich nicht verstehen, wenn man meinen Hintergrund nicht kennt. …Das Banat ist immer Teil meiner Identität geblieben, worauf ich immer stolz gewesen bin…. Das Banat zeichnet sich durch seine ethnische und kulturelle Vielfalt aus. Diese hat entscheidend dazu beigetragen, dass mit Hertha Müller und mir aus dem Banat und aus dem Nikolaus-Lenau-Lyzeum gleich zwei Nobel-Preisträger hervorgegangen sind!“

Heute profitieren von der hervorragenden Schulqualität junge Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen. Die Bundesrepublik Deutschland würdigt diesen besonderen Umstand und leistet einen Zuschuss für die Lehrerbesoldung, um qualifiziertes Personal im Schuldienst zu halten. Auch im Bundeshaushalt 2017 werden hierfür 1,25 Million Euro bereitgestellt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von 25% und spiegelt somit auch den enormen Stellenwert dieser besonderen Förderung wider. Zu erwähnen sind auch die vielen sozialen Engagements. Mit insgesamt 1,5 Million Euro wird etwa die Arbeit in Alten- und Pflegeheimen sowie in Sozialstationen, die für Angehörige der Deutschen Minderheit, aber auch alle Bevölkerungsgruppen in Rumänien eingerichtet wurden, gesichert, indem sich der Bund an der Kompensierung von allgemeinen Lohnsteigerungen beteiligt. Zu diesen Sozialeinrichtungen gehören auch ein Hospiz und ein Kinderhospiz in Hermannstadt/Sibiu.

Die bilateralen Kulturbeziehungen basieren formal auf dem Abkommen über die gegenseitige Errichtung und die Tätigkeit von Kultur- und Informationszentren von 1990, auf dem Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit von 1995 sowie dem Abkommen über schulische Zusammenarbeit von 1996. Schwerpunkte sind die Bereiche Wissenschaft und Hochschulen sowie die bereits erwähnte Förderung der deutschen Sprache.

Rumänien fühlt sich eng mit dem deutschen Kultur- und Sprachraum verbunden. Durch die deutsche Minderheit besteht eine gemeinsame Tradition, die das Interesse an deutscher Sprache und Kultur in Rumänien wach hält. 2012 wurde zwischen den Botschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sowie dem rumänischen Bildungsministerium eine gemeinsame Kommission zur Förderung des deutschsprachigen Unterrichts im rumänischen Bildungssystem gegründet, in der auch die deutsche Minderheit in Rumänien aktiv mitwirkt.

In Rumänien engagieren sich das Goethe-Institut, das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (mit über 30 entsandten Lehrern) sowie deutsche politische Stiftungen wie z. B. die Konrad-Adenauer-Stiftung, der ich für ihr vorbildliches Engagement besonders danke. Die Arbeit des Goethe-Instituts wird durch die deutschen Kulturzentren in Iaşi, Klausenburg/Cluj-Napoca, Hermannstadt/Sibiu, Kronstadt/Braşov und Temeswar/Timişoara ergänzt. Die Zahl der Universitäts- und Schulpartnerschaften nimmt stetig zu. Seit 1999 ist Rumänien mit dem Kulturinstitut "Titu Maiorescu" in Berlin vertreten. Es vermittelt rumänische Kultur durch Ausstellungen, Konzerte und Vortragsveranstaltungen.

Derzeit lernen in Rumänien rund 19.000 Schüler an Schulen Deutsch als Muttersprache. Im Rahmen des Lehrerentsendeprogramms sind derzeit 30 Lehrer aus Deutschland an rumänischen Schulen eingesetzt. Am Goethe-Kolleg in Bukarest und am Lenau-Lyzeum in Temeswar gibt es deutsche Spezialabteilungen, wo die Schüler, neben dem rumänischen Abitur, auch das deutsche erwerben können.

Der Austausch zwischen den beiden Ländern hat sich in den letzten Jahren ständig entwickelt und verbessert. Die Zahl der Schul- und Universitätspartnerschaften wächst konstant. Mehr als 3.000 rumänische Studenten studieren jährlich an deutschen Universitäten und gleichzeitig studieren immer mehr Deutsche an rumänischen Hochschulen. An den rumänischen Universitäten gibt es unterschiedliche Studiengänge in deutscher Sprache z. B. Universitatea „Politehnică” Bucureşti, Academia de Studii Economice Bucureşti, Universitatea „Babeş-Bolyai” in Klausenburg/Cluj-Napoca, Universitatea Tehnică in Klausenburg/Cluj-Napoca, Universitatea „Lucian Blaga” in Hermannstadt/Sibiu, Universitatea de Vest in Temeswar/Timişoara, Universitatea „Politehnică” in Temeswar/Timişoara. Zudem verfügt eine Reihe von rumänischen Universitäten über Lehrstühle der Germanistik.

Derzeit sind in Rumänien 30 Lektoren aus Deutschland an verschiedenen Universitäten tätig. In Deutschland sind rumänische Lektoren - beispielsweise - an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Regensburg, der Universität Heidelberg und der Universität Leipzig tätig.

Wie Sie sehen, haben wir zusammen bereits viel erreicht. Ich bin überzeugt davon, dass uns noch mehr gelingen wird, solange wir nur gemeinsam daran arbeiten. Die deutsche Minderheit in Rumänien hat, so klein sie zahlenmäßig jetzt auch sein mag, eine große Bedeutung und bildet eine bedeutende Brücke zwischen unseren Nationen – genau wie die vielen rumänischen Staatsbürger, die in den deutschen Arbeitsmarkt und in die Universitäten integriert sind. Lassen Sie es uns zum Ziel setzen, die Deutsch-Rumänischen Beziehungen weiter voller lebendiger Kultur und Geschichte zu erfüllen. Lassen Sie es uns zum Ziel setzen, eine fruchtbare wie friedliche Zukunft zu schaffen, die Platz bietet für ökonomische Entfaltung und Menschen jedweder Abstammung. Gerade Sie, die Studenten dieser Universität, tragen maßgeblich zur Zukunftsgestaltung unserer beiden Völker bei und stehen für eine dynamische und erfolgreiche Zukunftsperspektive, die nicht nur Ihre Generation prägen wird, sondern auch die folgenden.

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