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Rede “In der Welt zu­hau­se, in Sie­ben­bür­gen da­heim” – 27. Sach­sen­tref­fen, vom 4. bis 6. Au­gust 2017, in Her­mann­stadt/Si­biu

Datum
04.08.2017
Ort:
Hermannstadt/Sibiu, Rumänien
Redner
Hartmut Koschyk, MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

Vom 4. bis 6. August 2017 findet das traditionelle Sachsentreffen in Hermannstadt/Sibiu in Rumänien statt. Es wird in Zusammenarbeit von mehreren Siebenbürgisch-Sächsischen Vereinen und Institutionen ausgetragen. Ziel ist möglichst vielen in Deutschland lebenden Jugendlichen die Teilnahme zu ermöglichen und ihnen Siebenbürgen näher zu bringen. Ein ganzes Wochenende lang wird Tradition mit Ausstellungen, Konzerten, Volksveranstaltungen und vielem mehr zelebriert. Spezielle Angebote für Jugendliche ergänzen das Programm.

Alle Informationen finden Sie hier

Grußwort des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten übersende ich Ihnen meine besten Grüße zu Ihrem Sachsentreffen in Siebenbürgen. Gerne wäre ich zu diesem feierlichen Anlass zu Ihnen nach Hermannstadt gereist, leider bin ich jedoch aufgrund einer familiären Verpflichtung verhindert, um an Ihrem Fest teilzunehmen.

Ihr Treffen steht unter dem aussagekräftigen Motto „In der Welt zu Hause, in Siebenbürgen daheim“. Dieses Motto spiegelt hervorragend die Situation der Siebenbürger Sachsen nach dem Zweiten Weltkrieg wider.
Flucht und Vertreibung für die einen, Verfolgung und Diskriminierung für die anderen waren traumatische Erlebnisse, die viele von Ihnen geprägt haben.

Jedes Mal, wenn ich die Gelegenheit habe, nach Siebenbürgen zu reisen, bin ich tief beeindruckt von dem Engagement und dem aktiven Gemeinschaftsleben derjenigen, die die traditionelle Heimat der Siebenbürger Sachsen nicht verlassen haben. Es gelingt Ihnen, alte Traditionen mit Leben zu füllen und die deutsche Kultur und Sprache zu pflegen und zu erhalten. Hierfür sei Ihnen ein herzliches Dankeschön.

Sie haben sich auch in den Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, die durch Verfolgung der deutschen Minderheit und starken Auswanderungsbewegungen gekennzeichnet waren, nicht davon abbringen lassen, sich zu Ihren deutschen Wurzeln zu bekennen und diese zu pflegen.
Gleichzeitig gestalten Sie aktiv die Gegenwart in der rumänischen Gesellschaft und tragen zu dem wirtschaftlichen, kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Leben in Rumänien bei.

Aber auch diejenigen unter Ihnen, die die alte Heimat verlassen mussten und nun in Deutschland oder an anderen Orten in der ganzen Welt ein neues Zuhause gefunden haben, kehren gerne zurück in Ihre alte Heimat und halten Verbindung.

Und genau dies ist Ihr gemeinsamer Beitrag zur Völkerverständigung, zur Aussöhnung zwischen Deutschland und Rumänien, zur deutsch-rumänischen Freundschaft, deren 25-jähriges Jubiläum wir in diesem Jahr begehen dürfen. Sie alle sind die Architekten dieser Freundschaft, die Brückenbauer zwischen unseren beiden Völkern und haben damit aktiven Anteil an dem friedlichen Zusammenwirken in Europa.

Am 20. Juni 2017 ist diese Brückenfunktion ganz konkret geworden: Zwei Siebenbürger Sachsen haben in Berlin auf der zentralen Gedenkfeier der Bundesregierung zum nationalen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung gesprochen: der rumänische Staatspräsident und frühere Oberbürgermeister von Hermannstadt Klaus Johannis sowie der Präsident des Bundes der Vertriebenen und Bundestagsabgeordnete Dr. Bernd Fabritius. Beide stellten in ihren Ansprachen eindrucksvoll heraus, dass eine ehrliche Aufarbeitung der Vergangenheit und das konsequente Eintreten für Verständigung und Versöhnung zwischen den Völkern kein Widerspruch sind, sondern sich vielmehr einander bedingen.

Die Bundesregierung ist sich ihrer Verantwortung für die deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa stets bewusst, zum einen aufgrund der besonderen historischen Verantwortung zur Bewältigung der Folgen des 2. Weltkrieges. Bei dieser Kriegsfolgenbewältigung geht es wesentlich um Versöhnung und Wiedergutmachung gegenüber den Opfern des nationalsozialistischen Deutschlands, aber auch um die Hilfe für die Menschen, die wegen ihrer deutschen Volkszugehörigkeit ein besonders schweres Kriegsfolgenschicksal zu erleiden hatten. Darüber hinaus bieten die deutschen Minderheiten als bi-kulturelle Bindeglieder eigener Prägung besondere Chancen zur Entwicklung kultureller und zivilgesellschaftlicher Brücken und Netzwerke innerhalb der Europäischen Union.

Für das Haushaltsjahr 2017 sind 2,2 Mio. an Fördermitteln im Bundeshaushalt für das Bundesministerium des Innern bereitgestellt, hierzu kommen Rückflussmittel aus Darlehen zur Wirtschaftsförderung in Höhe von ca. 1,4 Mio . Das Auswärtige Amt verfügt über weitere Mittel in Höhe von über 450.000 zur Förderung von Kultur und Sprache, und 1,25 Mio. werden für die Förderung von Lehrern veranschlagt.
Insgesamt stehen damit im Jahr 2017 ca. 5,3 Mio. für Zwecke der deutschen Minderheit in Rumänien durch die Bundesregierung bereit. Hinzu kommen noch Förderprogramme für Kultur, Sprache und Schulausbildung durch die Länder Baden-Württemberg und Bayern, die hier lobenswert zu erwähnen sind. Diese Förderungen beruhen oft auf langjährigen Partnerschaften auf lokaler Ebene, die zu der vertieften Freundschaft zwischen unseren Ländern und damit einem geeinten Europa beitragen.

In der nun zu Ende gehenden Wahlperiode hat der Deutsche Bundestag auch ein Zeichen der Anerkennung für das harte Schicksal derjenigen Deutschen gesetzt, die im oder nach dem Zweiten Weltkrieg als Zivilisten wegen ihrer deutschen Staatsangehörigkeit oder Volkszugehörigkeit zum großen Teil schwerste Zwangsarbeit leisten mussten. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass es den Betroffenen nicht auf die Höhe der Entschädigungsleistung von 2.500 Euro ankommt, sondern vielmehr darum geht, dass die Bundesregierung das persönliche Schicksal nach so langer Zeit würdigt. Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir hierfür erfolgreich gekämpft haben. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich im September letzten Jahres der 92jährigen Frau Elisabeth Till, die im siebenbürgischen Mühlbach / Sebeș geboren wurde, im Banat aufwuchs und als junge Frau in der Sowjetukraine mehrere Jahre härteste Zwangsarbeit leisten musste, den ersten Bescheid über eine Anerkennungsleistung aushändigen durfte. Ich werde die Worte, die Frau Till mir zum Abschied sagte, nie vergessen: „Nach so langer Zeit wird unser Schicksal gewürdigt!“

Lassen Sie mich die 7. Strophe Ihres Heimatliedes zitieren:

Siebenbürgen, süße Heimat
unser teures Vaterland!
Sei gegrüßt in deiner Schöne
und um alle deine Söhne
schlinge sich der Eintracht Band!

Viele von Ihnen sind aus dem Ausland angereist, um gemeinsam mit den in Siebenbürgen Verbliebenen ein buntes, fröhliches und vielfältiges Fest zu feiern. In den kommenden Tagen werden Musik, Tänze und Lieder aus alten und neuen Zeiten das Gefühl von Heimat und Verbundenheit, von gemeinsamer Identität hervorrufen.

Möge dieses Fest dazu beitragen, dass das Band der Eintracht weiterhin alle Söhne und Töchter Siebenbürgens erfasst und die tiefe Verbundenheit aller Siebenbürger Sachsen in Nah und Fern zu ihrer Heimat erhalten bleibt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes Gelingen dieses Festes und fröhliche Stunden.

Ihr Hartmut Koschyk MdB
Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

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