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Artikel 02.05.2013 Deut­sche Min­der­heit in an­de­ren Staa­ten Mit­te­lost- und Ost­eu­ro­pas

In den übrigen Ländern Mittelost- und Osteuropas, namentlich in der Tschechischen und der Slowakischen Republik sowie in Kroatien, Serbien und Slowenien, leben heute ebenfalls noch in kleinerer Anzahl Angehörige deutscher Minderheiten.

Tschechische Republik

Ungeachtet der Vertreibungen nach Ende des Zweiten Weltkrieges, von denen etwa zwei Millionen Deutsche aus Böhmen, Mähren und dem tschechischen Teil Schlesiens nach Deutschland kamen, setzen die verstreut lebenden Heimatverbliebenen die jahrhundertelange Siedlungstradition fort. Nach den Ergebnissen des Zensus 2011 leben heute in der Tschechischen Republik knapp 19.000 Staatsbürger, die sich zur deutschen Minderheit bekennen . Gleichzeitig gaben 20.780 Personen an, die deutsche Staatsangehörigkeit zu besitzen. Das Auswärtige Amt schätzt die Größe der deutschen Minderheit auf ca. 40.000 Personen.
Deutsche ließen sich auf Einladung der mittelalterlichen Herrschergeschlechter der Přemysliden und der Luxemburger seit dem 11. Jahrhundert in den so genannten Böhmischen Ländern – dem Königreich Böhmen, der Markgrafschaft Mähren und dem Herzogtum Schlesien – nieder. Im Zuge des Landesausbaus erschlossen sie vor allem die vielfach bodenschatzreichen Wald- und Bergregionen im Grenzsaum, zum Teil waren sie aber auch in zentralen Orten im Landesinnern (Prag/Praha, Brünn/Brno, Pilsen/Plzeň, Iglau/Jihlava u. a.) als bedeutende städtische Minderheiten vertreten. Über Jahrhunderte erfolgte ein intensiver beidseitiger Kultur-, Wissens- und Technologietransfer, der bis zur Frühen Neuzeit aus den Böhmischen Ländern eine der am höchsten entwickelten Regionen Mitteleuropas machte. Die Landesherrschaft der Habsburger ab 1526 förderte das deutsche kulturelle Element, unter anderem über die Bevorzugung der deutschen Verwaltungssprache seit dem 18. Jahrhundert. Hinzu kamen konfessionelle Spannungen, die im Zuge der katholischen Gegenreformation im 17. Jahrhundert einen neuen Zustrom deutscher Siedler anstelle der geflohenen protestantischen Exulanten bedingte. Im 19. Jahrhundert konkurrierten die tschechische Nationalbewegung, die zunächst auf eine gewisse Autonomie innerhalb Österreichs, dann zunehmend auf staatliche Unabhängigkeit setzte, mit deutschnationalen Tendenzen unter den Deutschen in den Böhmischen Ländern. Mit der Errichtung der Tschechoslowakischen Republik 1918 wurden diese Deutschen zu einer nationalen Minderheit mit weitgehenden Autonomierechten. In den 1920er Jahren bürgerte sich für die diversen Einzelgruppen der Sammelbegriff "Sudetendeutsche" ein. Viele von ihnen gerieten in den 1920er und 1930er Jahren unter den Einfluss der deutschen Volkstumspolitik; unter dem Vorwand, das vorenthaltene "Selbstbestimmungsrecht" zu realisieren, setzte Hitler – mit Unterstützung Italiens, Frankreichs und Großbritanniens – 1938 im "Münchner Abkommen" den "Anschluss" der mehrheitlich von Deutschen bewohnten Randgebiete an das Deutsche Reich durch. 1939 erfolgte die Besetzung des restlichen Staatsgebiets mit begleitet von massiven Repressionsmaßnahmen gegenüber der tschechischen Bevölkerungsmehrheit. Auf der Potsdamer Konferenz setzte die tschechoslowakische Regierung die Vertreibung der meisten Deutschen durch; zurück blieben vor allem Angehörige gemischtnationaler Familien und Facharbeiter.

Mit 5.500 Mitgliedern ist die Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien (LV) mit dem Jugendverband "JUKON" sowie der Mittelstandsförderungsgesellschaft „Bohemia Troppau“ die größte Selbstorganisation der Deutschen. Ihr folgt der Kulturverband der Bürger deutscher Nationalität in der Tschechischen Republik mit etwa 1.600 Mitgliedern.

Das Bundesministerium des Innern unterstützt die deutsche Minderheit im gemeinschaftsfördernden, verbandsstärkenden, sozial-humanitären sowie wirtschaftsfördernden Bereich. Darüber hinaus werden Projekte der Jugendorganisation gefördert, und durch Fortbildungsmaßnahmen wird ihre verbandliche Struktur gestärkt.

Die gewährten Hilfen an die Deutsche Minderheit in Tschechien gründen auf dem Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen und Slowakischen Republik über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit aus dem Jahr 1992. Außerdem wurde mit der Deutsch-Tschechischen Erklärung von 1997 der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds eingerichtet, dessen Mittel anteilig ebenfalls zugunsten der deutschen Minderheit eingesetzt werden.

Slowakische Republik

Die Volkszählung aus dem Jahr 2011 erbrachte 4.690 Angehörige der karpatendeutschen Minderheit. Inoffizielle Schätzungen sprechen von bis zu einer dreifach höheren Anzahl. Höher als die Zahl der bekennenden Deutschen ist die Zahl derjenigen, die Deutsch als Mutter- oder Familiensprache benutzen.
Auf dem Staatsgebiet der heutigen Slowakei, das bis 1918 durch Jahrhunderte ein Teil des Königreichs Ungarn (Oberungarn) gewesen war, lassen sich die Anfänge deutscher Besiedelung bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Als Fachkräfte im Bergbau und bei der Holzverarbeitung wurden Deutsche von den ungarischen Königen aus den Dynastien der Arpaden und der Angevinen angeworben und im slowakisch geprägten östlichen Karpatenbogen angesiedelt. Neben Slowaken, Ungarn und Angehörigen anderer Gruppen lebten sie unter anderem in der Zips und im so genannten Hauerland. Auch in den größeren Städten, so in Pressburg/Bratislava/Pozsony, Kaschau/Košice/Kassa oder Tyrnau/Trnava/Nagyszombat, lebte eine nennenswerte Anzahl Deutscher. Alle diese Gruppen wurden 1918 in der Tschechoslowakischen Republik zusammengefasst und entwickelten erst damals – in Analogie zu den "Sudetendeutschen" im tschechischen Landesteil – eine Gruppenidentität als "Karpatendeutsche".

In den Jahren 1944/45 wurden, insbesondere aus der Zips, die meisten Deutschen ins Deutsche Reich evakuiert; andere flohen vor der Roten Armee in Richtung Westen. Aufgrund der Potsdamer Beschlüsse wurden etwa vier Fünftel der verbliebenen Karpatendeutschen vertrieben, während etwa ein Fünftel im Land verblieb. Die verbliebene deutsche Minderheit bildet als Sprach- und Identitätsträger eine wichtige Verbindung in den guten Beziehungen zwischen Deutschland und der Slowakei. Nahezu alle Slowakeideutschen sind Mitglieder im Karpatendeutschen Verein (KDV), der bereits 1990 gegründet wurde. Durch seine regionale und örtliche Gliederung ist der Verein flächendeckend vertreten, besonders in den Siedlungsschwerpunkten. Das Bundesministerium des Innern unterstützt die Tätigkeit des KDV in Bereichen der Gemeinschafts- und Verbandsförderung, bei der Durchführung von Sprachbindungsmaßnahmen sowie Aus- und Fortbildungsveranstaltungen für die verbandsstärkende Jugendarbeit sowie durch Wirtschaftshilfen für kleine und mittlere Handwerks-, Gewerbe- und landwirtschaftliche Betriebe.
Die gewährten Hilfen an die Deutsche Minderheit in der Slowakei gründen auf dem Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen und Slowakischen Republik über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit aus dem Jahr 1992.

Republik Kroatien

Bei den Kroatiendeutschen handelt es sich um unterschiedliche Gruppen von Deutschen und Österreichern, die nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Gründung des jugoslawischen Staates (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) in Kroatien verblieben sind und dort bis 1945 mit ca. 85.000 Angehörigen die größte Minderheit gebildet haben. Ihr Hauptsiedlungsgebiet liegt in Slawonien mit Zentrum in Osijek (Esseg). 1920 gründeten sie als eigene Interessenvertretung den "Kulturbund", 1929 die "Partei der Deutsche", die 1929 verboten wurde. Sie gerieten auch in den Sog der nationalsozialistischen Machtpolitik; viele flohen 1945 aus ihrer Heimat, andere wurden vertrieben. 2001 haben sich nur noch 2902 Personen zu der deutschen Minderheit zugehörig erklärt, 247 als Österreicher (Ergebnisse des Zensus 2011 liegen noch nicht vor). Innerhalb der Minderheit gibt es heute keine Muttersprachler mehr, jedoch sprechen ca. 10 % Deutsch.

Die deutsche Minderheit in Kroatien ist in einem Dachverband der deutschen und österreichischen Minderheiten organisiert, der aus der Deutschen Gemeinschaft – Landsmannschaft der Donauschwaben in Kroatien (G; 1.600 Mitglieder), der Gemeinschaft der Deutschen in Kroatien - Zagreb (GdD; 80 Mitglieder) und dem Verein der Deutschen und Österreicher in Vukovar besteht. Darüber hinaus existieren noch kleinere Vereinigungen, wie der Verein der Deutschen und Österreicher in Osijek sowie der Volksbund der Deutschen in Zagreb.

Die deutsche Minderheit in Kroatien unterhält keine eigenen Bildungseinrichtungen. Trotz der Tatsache, dass es innerhalb der Minderheit keine Muttersprachler gibt, bemühen sich die Vereine, Sprachförderung zu betreiben, z.B. durch Chöre, Theatergruppen oder eigene Sprachkurse.

Der Schutz der Minderheitensprachen ist rechtlich garantiert

Nach Artikel 10 des Verfassungsgesetzes über die Rechte der nationalen Minderheiten haben die Angehörigen der nationalen Minderheiten das Recht, ihre Sprache und Schrift privat und öffentlich frei zu gebrauchen. Hierzu gehört auch das Recht, in ihrer Sprache und Schrift Zeichen, Aufschriften und andere Informationen darzustellen. Unter den Schutz des Gesetzes fällt neben der deutschen Sprache auch Italienisch und Ungarisch.

Kroatien hat in seiner Ratifizierungsurkunde zur Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen gemäß Artikel 21 Absatz 1 einen Vorbehalt zu Artikel 7 Absatz 5 eingebracht, der die Förderung "nicht territorial gebundener Sprachen" regelt. Hierzu hat der Europarat klargestellt, dass eine Sprache nur dann durch den Vorbehalt von der Anwendung der Charta ausgeschlossen werde, wenn sie nicht in "abgrenzbaren angestammten Sprachgebiete" verwendet werde. In seinem ersten Staatsbericht hat Kroatien unter anderem Deutsch als nicht territorial gebundene Sprache eingestuft; infolge dieser Lesart wendet Kroatien die Charta nicht auf Deutsch an. Zu der Frage, ob Deutsch zu Unrecht durch den kroatischen Vorbehalt von der Anwendung der Charta ausgeschlossen wird, hat sich der Europarat bisher nicht geäußert.

Als Ergebnis der Parlamentswahlen vom 04.11.2011 wird die deutsche Minderheit durch einen zur Roma-Minderheit gehörenden Abgeordneten vertreten, der insgesamt 12 Minderheiten vertritt. Auf kommunaler und regionaler Ebene sind die Minderheiten entsprechend ihrem Anteil an der örtlichen Bevölkerung über ihre jeweiligen Abgeordneten vertreten.

Kulturellen Einfluss hat die deutsche Minderheit (deutschsprachige Magazine, Kulturveranstaltungen, Radiosendungen, hohe Deutschlerner-/Germanistikstudenten-Zahl) v.a.in Slawonien. Besonders im Kulturbereich sind die deutschen Minderheiten im sogenannten Dreiländereck (Kroatien, Ungarn, Serbien/Provinz Vojvodina) gut miteinander vernetzt.

Republik Serbien

In der Republik Serbien, insbesondere in der autonomen Provinz Vojvodina, leben ca. 3500-4000 serbische Bürger deutscher Volkszugehörigkeit. In keiner Gemeinde erreicht der Anteil der deutschen Bevölkerung mehr als 5%.

Die Deutschen in Serbien gehören zur Gruppe der Donauschwaben, die nach den Siegen der Habsburger über die Osmanen unter anderen Regionen auch im Banat und in der Batschka angesiedelt wurden. Teile dieser Regionen fielen nach dem Ersten Weltkrieg an den serbischen Staat und gehören heute zur Vojvodina. Der Vernichtungskrieg, den das nationalsozialistische Deutschland gegen Jugoslawien geführt hat, erklärt die Verfolgungen, denen sich auch die Serbiendeutschen ausgesetzt sahen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der größte Teil der deutschen Bevölkerung vertrieben. Die Mehrheit der Heimatverbliebenen wurde in Lagern interniert, in denen viele von ihnen ums Leben kamen. Unter Androhung von Strafen durfte im Tito-Jugoslawien die deutsche Sprache nicht benutzt werden. Zusätzlich zum Sprachverbot waren die Deutschen ständigen Repressionen ausgesetzt, so dass eine Aussiedlung in die Bundesrepublik oftmals der einzige Ausweg war, den Entbehrungen zu entkommen.

Die heutige deutsche Minderheit in Serbien wird von dem Nationalrat der deutschen Minderheit vertreten. Aktive Organisationen finden sich in Novi Sad (Neusatz), Sombor und Subotica (Maria Theresiopol).
Im Wesentlichen erstreckt sich die Förderung der deutschen Minderheit in Serbien auf humanitäre Hilfen und die Ausstattung von zwei Begegnungsstätten.

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