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Artikel 02.05.2013 Deut­sche Min­der­heit in Ru­mä­ni­en

Mehrere zeitlich versetzte Einwanderungsströme brachten deutsche Siedler auf das Gebiet des heutigen rumänischen Staates.

Bereits im Mittelalter zogen Deutsche in die Region Siebenbürgen, die damals zum Königreich Ungarn gehörte, in der Neuzeit ein eigenes Fürstentum bildete und ab 1690 in die Habsburgermonarchie integriert wurde.. Sie sollten hier das Land wirtschaftlich erschließen helfen und sich an dessen Verteidigung beteiligen. Das reichhaltige kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen, allen voran die zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten Kirchenburgen, bezeugt die lange Tradition der deutschen Siedler im Karpatenbecken.

In der Neuzeit ließen sich in weiteren Regionen des heutigen Rumänien (Banat, Sathmar, Bukowina, Dobrudscha u.a.) Deutsche nieder, zum Teil gerufen von den Habsburgern, um zum Landesausbau nach den verheerenden Türkenkriegen beizutragen. Die im Banat beheimateten Deutschen gehören zu der großen Gruppe der Donauschwaben. Dazu gehören die Sathmarer Schwaben, die Bessarabiendeutschen, die Dobrudschadeutschen, die Bukowinadeutschen, die Oberwischauer Zipser, die Landler u.a., die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges unterschiedlichen Staaten angehörten (Österreich-Ungarn, Königreich Rumänien, Russland, Osmanisches Reich). Erst infolge der Neuordnung Europas auf der Pariser Friedenskonferenz (und der sog. Pariser Vorortverträge) entstand die nunmehr so bezeichnete rumäniendeutsche Minderheit, die erst allmählich ein Gemeinschaftsgefühl entwickelte. In den 1930er Jahren gerieten sie zunehmend in den Sog der nationalsozialistischen Volkstumspolitik. 1940 wurden die Dobrudschadeutschen und die damals zu Rumänien gehörenden Bessarabiendeutschen aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes in vom Deutschen Reich besetzte Gebiete umgesiedelt. Aufgrund eines deutsch-rumänischen Vertrags leisteten zahlreiche rumäniendeutsche Wehrpflichtige ihren Kriegsdienst in der Waffen-SS ab und kehrten nach Kriegsende nicht in ihre Heimat zurück. Aus Nordsiebenbürgen und den Grenzgebieten des Banats flüchteten viele deutsche Bewohner im August/September 1944. Im Januar 1945 wurden die arbeitsfähigen Angehörigen der deutschen Minderheit zur Zwangsarbeit ("Wiederaufbauarbeit") in die Sowjetunion deportiert; viele wurden in die damalige Sowjetische Besatzungszone Deutschlands entlassen. Die Zusammenführung der durch diese Ereignisse auseinandergerissenen Familien wurde zum Anlass von Freikaufaktionen der Bundesrepublik Deutschland und zur sich steigernden Zahl von Aussiedlern. Nach der politischen Wende von 1989/1990 erfolgte ein Massenexodus von Rumäniendeutschen, so dass die Zahl der deutschen Minderheit in Rumänien stark zurückgegangen ist. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Volkszählung 2011 leben heute noch etwa 36.900 Angehörige der deutschen Minderheit in der Republik Rumänien.

In Ihrer Organisationsform unterscheiden sich die Rumäniendeutschen von den übrigen deutschen Minderheiten in Mittelost- und Osteuropa. Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) ist die zentrale Selbstorganisation der Minderheit und gliedert sich in regionale und örtliche Foren und ist in allen Siedlungsgebieten der Rumäniendeutschen vertreten. Das DFDR ist zwar keine politische Partei, wird aber nach dem rumänischen Parteiengesetz so behandelt und hat insbesondere bei Kommunalwahlen, gemessen an der Größe der Minderheit, überdurchschnittlich hohe Erfolge erzielt. Dieses Sonderrecht garantiert dem DFDR auch einen Abgeordnetensitz im rumänischen Parlament. Auch für die deutsche Regierung ist im Rahmen ihrer Politik der Förderung der deutschen Minderheit das DFDR der zentrale Ansprechpartner.

Grundlage der Zuwendung an die Rumäniendeutschen ist der Vertrag vom 21. April 1992 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa. Die Leistungen des Bundesministeriums des Innern erstrecken sich vor allem auf humanitäre Maßnahmen. In vier Altenheimen und zwei Sozialstationen in den Regionen Siebenbürgen und Banat werden Angehörige der Erlebnisgeneration aus den Reihen der deutschen Minderheit gepflegt. Daneben erhalten künftig zwei Altenheime in der Region Sathmar eine finanzielle Unterstützung, um dort lebenden hilfsbedürftigen älteren Angehörigen der deutschen Minderheit eine dauerhafte Aufnahme in eines dieser Altenheime zu ermöglichen.

Fünf Wirtschaftstiftungen versorgen Landwirte, Handwerker und Gewerbetreibende mit Kleinkrediten. Gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt und dem Beauftragten für Kultur und Medien unterstützt das BMI die deutsche Minderheit bei der Pflege und dem Erhalt ihres kulturellen Erbes. Der Revitalisierung des Schulwesens in der Sprache der deutschen Minderheit wird dabei ein besonderes Augenmerk verliehen.
Zur gemeinsamen Organisation und Koordinierung dieser Zuwendungen beraten sich Vertreter beider Regierungen einmal jährlich während der Deutsch-Rumänischen Regierungskommission. 2013 fand im siebenbürgischen Hermannstadt bereits die 16. Sitzung statt.

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