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Artikel Deut­sche Sin­ti und Ro­ma

Die deutschen Sinti und Roma leben traditionell nahezu in ganz Deutschland. Sie sind in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt. Nicht zur nationalen Minderheit der deutschen Sinti und Roma gehören die in Deutschland lebenden ausländischen Sinti und Roma.

Als ursprüngliche Heimat der Sinti und Roma gelten der Nordwesten des heutigen Indien und Pakistan. Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft waren die Sinti und Roma Verfolgung und Völkermord ausgesetzt – in Deutschland, den von Deutschland besetzten Gebieten und den mit Hitler verbündeten Staaten. Etwa 500.000 Sinti und Roma fielen dem Rassenwahn der Nationalsozialisten und dem an ihnen systematisch geplanten Völkermord zum Opfer, ihr kulturelles Erbe wurde zum großen Teil zerstört. Heute stehen die seit Jahrhunderten hier heimischen deutschen Sinti und Roma als nationale Minderheit unter besonderem Schutz. Sie verstehen sich teilweise als zwei unterschiedliche Ethnien.

Zur Vertretung ihrer Interessen und zur Stärkung ihrer Kultur haben sich die deutschen Sinti und Roma in verschiedenen Vereinen und Verbänden organisiert.

Der Zentralrat der deutschen Sinti und Roma

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg wurde im Februar 1982 gegründet und ist der unabhängige Dachverband von zahlreichen Landesverbänden. Der Zentralrat versteht sich als bürgerrechtliche und politische Interessenvertretung der deutschen Sinti und Roma. Er setzt sich für eine gleichberechtigte Teilhabe der deutschen Sinti und Roma in Politik und Gesellschaft und für deren Schutz und Förderung als nationale Minderheit ein.

Der Zentralrat unterstützt die Bekämpfung von rechtsextremistischen Aufrufen zu Gewalt und Hass. Ein wichtiges Feld der Verbandsarbeit ist auch das Eintreten für die Überlebenden des Völkermordes, etwa in Bezug auf Hinterbliebenenrenten. Darüber hinaus organisiert der Zentralrat Begegnungen, Informationsveranstaltungen und Exkursionen zu historischen Gedenkstätten im In- und Ausland.

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Eine bedeutende Facheinrichtung ist das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Es wurde am 16. März 1997 durch Bundespräsident Roman Herzog eröffnet. Schwerpunkte der Einrichtung sind die Dokumentation und wissenschaftliche Arbeit zur Geschichte, Kultur und Gegenwart der Sinti und Roma, die kulturelle Arbeit, die Bildung und Fortbildung, die Beratung zur gesellschaftlichen Gleichbehandlung sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Das Zentrum beherbergt die weltweit erste Dauerausstellung über den Völkermord an den Sinti und Roma. Ferner engagiert sich die Einrichtung für den Schutz und die Förderung des deutschen Romanes nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarates.

Sinti Allianz Deutschland

Die 1999/2000 gegründete Sinti Allianz Deutschland ist ein Zusammenschluss deutscher Sinti. Sie versteht sich als Interessenvertretung deutscher Sinti, die sich ihrer traditionellen Lebensweise mit ihren historisch gewachsenen Geboten und Verboten – kulturellen und sozialen Tabus – besonders verpflichtet fühlen und diese Ordnung erhalten wollen. Die meisten der von der Sinti Allianz vertretenen Sinti verstehen sich nicht nur als Angehörige einer Minderheit, sondern zugleich auch als Sinti-Volksgruppe, die ein Teil der deutschen Gesamtgesellschaft ist und die neben ihrer deutschen Sprache und Kultur die der Sinti lebt und pflegt.

Sprache Romanes

Die deutschen Sinti und Roma verwenden untereinander neben Deutsch als zweite Muttersprache Romanes. Ihre Kinder wachsen in der Regel zweisprachig auf. Im Laufe der Jahrhunderte, in denen die Sinti und Roma verschiedenen Kulturen in Europa angehörten, haben sich unterschiedliche Versionen des Romanes herausgebildet. In Deutschland sind entlang den deutschen Mundarten verschiedene Romanes-Dialekte entstanden. So kann zwischen dem preußischen, bayerischen, württembergischen, pfälzischen oder sächsischen Romanes-Dialekt differenziert werden. Der (Ober-)Begriff Romanes wird jedoch von allen Angehörigen der deutschen Sinti und Roma verwandt. Im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen hat Romanes keine verbindliche Normierung erfahren. Umfassendere Werke über die Sprache entstanden erst ab Ende des 18. Jahrhunderts.

Die Erfahrungen mit dem nationalsozialistischen Völkermord führten auch nach dem Zweiten Weltkrieg dazu, dass sich viele Sinti und Roma nicht als solche zu erkennen gaben und Romanes deshalb nur noch eingeschränkt nutzten. Dieser Sprachverlust ist teilweise bis heute spürbar. Viele deutsche Sinti und Roma vertreten die Auffassung, dass mit Rück-sicht auf die Erfahrungen der Überlebenden des Völkermordes Romanes nicht an Außenstehende im staatlichen Bildungssystem vermittelt werden soll. Ein entsprechender Sprachunterricht ist im staatlichen Schulsystem daher nicht vorgesehen.

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