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Nachricht 30.10.2017 Bun­des­be­auf­trag­ter Koschyk be­sucht die Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­schen Kir­chen in Ma­la­pa­ne / Ozi­mek und in Carls­ru­he / Po­kój

Impressionen

Im Rahmen seines Aufenthalts in Polen, wo Bundesbeauftragter Koschyk in Groß Stein / Kamień Śląski am Schlesienseminar zum Thema „Sicherung der ethnischen und religiösen Vielfalt in Gegenwart und Zukunft“ teilgenommen hat, besuchte er auch die Evangelischen Kirchen in Malapane / Ozimek und in Carlsruhe / Pokój.

Begleitet wurde Bundesbeauftragter Koschyk vom Vorsitzenden des Verbandes deutscher Sozial-Kultureller Gesellschaften in Polen (VdG), Bernard Gaida und dem Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Oppeln / Opole, Wojciech Pracki. In Carlsruhe / Pokój waren ebenfalls der Pfarrer von Carlsruhe / Pokój, Eneasz Kowalski, Bürgermeisterin Barbarą Zając, der Vorsitzende des Kulturausschusses des Oppelner Sejmik, Hubert Kołodziej und Rechtsanwalt Detlev Maschler, Vorsitzender des Heimatkreises Carlsruhe in Deutschland, der sich für die Sanierung und Instandhaltung von Kirche und Friedhof einsetzt, zugegen.

Evangelische Sophienkirche in Carlsruhe / Pokój Bild vergrößernEvangelische Sophienkirche in Carlsruhe / Pokój

Zur Evangelisch-Luherischen Gemeinde Carlsruhe / Pokój gehören ca. 100 Mitglieder. Der Evangelisch-Lutherische Pfarrer von Carlsruhe / Pokój, Eneasz Kowalski, predigt auch in dem 20 km entfernt gelegenen, kleinen Dorf Sacken / Lubienia.

Herzog Carl Christian Erdmann von Württemberg-Oels (1716-1792) gründete 1748 in Oberschlesien, wo er von seiner Mutter größere Waldgebiete geerbt hatte, den Ort Carlsruhe / Pokój als Jagdsitz und spätere Sommeresidenz. Architektonisches Vorbild war das badische Karlsruhe.

Der Herzog ließ in Carlsruhe / Pokój durch den Brandenburger Baumeister Georg Ludwig Schirrmeister ein Schloss errichten, später dann die Evangelische Sophienkirche. Der Bau der Sophienkirche erfolgte in den Jahren 1765-1775. Herzog Carl Christian Erdmann ließ beim Bau der Kirche drei räumlich voneinander unabhängige Grabgewölbe im Untergeschoß der Kirche einrichten.

Die östliche Gruft (Sakristeigruft) bestimmte der Herzog zu seinem eignen Grabgewölbe, die westliche Gruft (Gruft unter der Eingangshalle) wurde später zur Familiengruft der zweiten schlesischen Linie des Hauses Württemberg und die nördliche Grabkammer wurde zur Grabstätte einiger Adliger, die nicht dem Hause Württemberg angehörten.

Am 21. Januar 1945 wurde der Ort von der Roten Armee eingenommen und in Brand gesetzt, wodurch das Schloss und ca. 80 Prozent der Gebäude vernichtet wurde. Die Ruine des Schlosses wurde nach 1945 komplett abgetragen, der Kurbetrieb wurde eingestellt.

Der Kircheninnenraum und Kirchenorgel wurden mittlerweile saniert. Gegenwärtig wird noch der Kanzlei-Altar saniert. In der Kirche befinden sich allerdings wertvolle Bücher und Archivalien und es wird Unterstützung aus Deutschland benötigt, um die Bestände sachgerecht zu digitalisieren und dauerhaft zu archivieren.

Gleich neben der Kirche befindet sich ein Friedhof, auf dem u.a. gefallene deutsche Soldaten des 1. Weltkrieges griechischer Abstammung begraben sind. Die Soldatengräber müssten in einen würdigeren Zustand versetzt werden.

Auf dem Friedhof findet man eine Grab-Skulptur nach einem Entwurf von Johann Gottfried Schadow, zu dessen Hauptwerken die Quadriga auf dem Brandenburger Tor zählt.

Vor dem Pfarrhaus: der Pfarrer von Carlsruhe / Pokój, Eneasz Kowalski  und Rechtsanwalt Detlev Maschler, Vorsitzender des Heimatkreises Carlsruhe in Deutschland, der sich für die Sanierung und Instandhaltung von Kirche und Friedhofe einsetzt Bild vergrößernVor dem Pfarrhaus: der Pfarrer von Carlsruhe / Pokój, Eneasz Kowalski und Rechtsanwalt Detlev Maschler, Vorsitzender des Heimatkreises Carlsruhe in Deutschland, der sich für die Sanierung und Instandhaltung von Kirche und Friedhofe einsetzt

Der deutsche Komponist, Dirigent und Pianist Carl Maria Friedrich Ernst von Weber (1786 – 1826) war ab 1806 bis ins Frühjahr 1807 Musikintendant am Hof der des Herzogs Friedrich Eugen Heinrich von Württemberg in Carlsruhe / Pokój wo er seine beiden einzigen Sinfonien in C-Dur komponierte und die Oper „Der Freischütz“ geschrieben hat.

1833 wurde der deutsche Geograph und Kartograph, Ferdinand Freiherr von Richthofen, in Carlsruhe / Pokój geboren. Nach seiner geologischen Ausbildung nahm Ferdinand Freiherr von Richthofen 1860-62 an einer offiziellen preußischen Handelsmission teil und lernte China und Japan kennen. 1875 wurde er Professor in Bonn, 1883 in Leipzig und 1886 in Berlin, wo er das geographische Institut und das Institut für Meereskunde einrichtete. Die Geographie definierte Richthofen als die Wissenschaft von der Erdoberfläche und deren Erscheinungen, die mit ihr in kausalen Wechselbeziehungen stehen und betonte somit ihren naturwissenschaftlichen Charakter. Sein 1886 erschienener „Führer für Forschungsreisende“ ist die erste systematische Darstellung der Geomorphologie, die er als eigenständige Disziplin begründete. Die wegweisende Länderkunde „China“, deren sieben Bände zwischen 1877 und 1912 erschienen, bezieht neben der rein naturwissenschaftlichen Betrachtung auch das Wirken des Menschen mit ein.

Die Evangelische Kirche in Malapane / Ozimek, die Bundesbeauftragter Koschyk ebenfalls besuchte, wurde im 19. Jahrhundert im historistischen Stil erbaut und ist dem Heiligen Johannes dem Täufer geweiht. Sie befindet sich am nördlichen Ende einer (Straßen-)Achse, die ursprünglich von Südwesten nach Nordosten durch Malapane / Ozimek verlief.

Die am Anfang des 19. Jahrhunderts, wachsende Zahl der evangelischen Pfarrgemeindemitglieder, weckte das Bedürfnis der Erbauung einer neuen Kirche. Am 24. Juni 1819, am Tag des Heiligen Johannes des Täufers, legte der damaliger Pfarrer Georg Quint den Grundstein zum Bau der Kirche, der Pfarrei und der Schule.

Entworfen hat die Kirche der bekannte deutsche Architekt Karl Friedrich von Schinkel (1781-1841). Die Kirche wurde im neuklassischen Stil erbaut. Die Ausstattung: Kanzel, auf Säulen gestützter Chor, Fenster und Balustraden sowie die Kirchenglocken wurden aus Eisen in malapaner Hütte gegossen.

Die Innenausstattung, die ein Beweis für die Kunstfertigkeit der Hüttenarbeiter aus Malapane / Ozimek war, blieb leider nur bis zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten. Am Anfang besaß diese Kirche keinen Turm. Nebenan jedoch, stand ein hölzerner Glockenturm. Ende der Bauarbeiten und die feierliche Einweihung dieses Gotteshauses erfolgte am 8. April 1821. Etwas später wurde in der Nähe der Kirche ein Pfarrhaus und ein Wirtschaftsgebäude sowie eine evangelische Schule gebaut.

Im Jahre 1858 begann man, nach dem Entwurf des königlichen Maschineninspektors Wilhelm Wunscheid, mit der Errichtung des gemauerten Kirchenturms. Der Baustil wurde an die, schon vorhandene Kirche angepasst. Die feierliche Einweihung fand am 19. September 1859 statt.

Bis zu unser Zeit blieb lediglich das Gotteshaus mit restlichen Elementen der gusseiserner Ausstattung, wie dem Chor und Fenstern sowie das Wirtschaftsgebäude von der Schule, erhalten. Die, im Januar 1945, ausgebrannten restlichen Objekte, wie die Schule und das Pfarrhaus, wurden in den folgenden Jahren abgerissen.

Berühmte Gusseisen-Brücke in Malapane / OzimekBild vergrößernBerühmte Gusseisen-Brücke in Malapane / Ozimek

Die Kirche soll umfassend saniert werden und für die Gemeindemitglieder wieder als Gotteshaus genutzt werden können. Daneben ist geplant die Kirche nach der Sanierung aber auch als Zentrum der Ökumene und als Dokumentationszentrum für die Baukunst von Karl Friedrich von Schinkel zu nutzen. Bundesbeauftragter Koschyk hat einen Kontakt zur Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Frau Prof. Monika Grütters MdB, hergestellt, die zugesagt hat eine finanzielle Förderung durch ihr Haus zu prüfen.

Nachdem am Fluß Malapane große Raseneisensteinlager entdeckt wurden, erfolgte 1753 und 1754 auf Befehl König Friedrichs II. von Preußen der Bau von zwei Hochöfen am Fluss. Zusammen mit den Frischfeuern in Krascheow (Krasiejów), Jedlitze (Jedlice) und Dembiohammer (Dębska Kuźnia) entstand aus diesen Hochöfen die erste staatliche Eisenhütte in Oberschlesien, das Eisenhüttenwerk Malapane. Ab 1780 wurde der Ort Sitz eines königlichen Hüttenamtes.

Die Hüttenleute wurden aus den westlichen Provinzen Preußens angeworben, für sie wurde die Kolonie Hüttendorf (heute ulica Wyzwolenia) errichtet. Den Bau der Kolonie, der 1762 begann, leitete der Oberforstmeister Johann Georg Rehdanz, unter dessen Regie auch schon der Bau des Hüttenwerkes erfolgt war.

Gemeinsam mit dem Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Oppeln / Opole Wojciech Pracki, und dem Vorsitzenden des Verbandes deutscher Sozial-Kultureller Gesellschaften in Polen (VdG), Bernard GaidaBild vergrößernGemeinsam mit dem Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Oppeln / Opole Wojciech Pracki, und dem Vorsitzenden des Verbandes deutscher Sozial-Kultureller Gesellschaften in Polen (VdG), Bernard Gaida

Das Werk, das 1945 durch die Rote Armee vollständig demontiert wurde, wurde als Hüttenkombinat wieder aufgebaut und beschäftigte um 1975 etwa 7.000 Menschen. Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft in Polen und der Öffnung zu den internationalen Märkten musste die Hütte in Malapane / Ozimek im Jahre 1989 die Produktion einstellen, da sie der Konkurrenz auf dem Stahlmarkt nicht gewachsen war. Damit ging eine fast 250-jährige Tradition der Eisen- und Stahlproduktion in Malapane /Ozimek zu Ende.

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