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Rede Er­öff­nung der in­ter­ak­ti­ven Aus­stel­lung "Nord­fri­isk Fu­tu­ur"

Datum
05.05.2018 15:00 Uhr
Ort:
Bürgerhaus von Bräist / Bredstedt (Nordfriesland)
Redner
Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

Für die Einladung und den freundlichen Empfang hier in Bredstedt bedanke ich mich sehr. Ich darf Ihnen die herzlichen Grüße der Bundesregierung übermitteln, des Bundesministers des Innern, für Bau und Heimat, Herrn Horst Seehofer, und insbesondere der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Frau Professor Monika Grütters, die sehr bedauert, heute nicht hier bei Ihnen zu sein.

Die Besonderheit der friesischen Volksgruppe als eine der vier in Deutschland anerkannten nationalen Minderheiten besteht bekanntermaßen darin, dass sie in mehreren geschlossenen Siedlungsgebieten ansässig ist, die geografisch nicht zusammenhängen.

Gestern bin ich bei den Saterfriesen im niedersächsischen Saterland zu Besuch gewesen bin. Es freut mich sehr, nun direkt danach die Gelegenheit wahrnehmen zu können, auch zu Ihnen nach Nordfriesland und speziell nach Bredstedt zu kommen. Bredstedt ist als Sitz nicht nur des Nordfriisk Instituut, sondern auch des Friesenrates Sektion Nord, der Friisk Foriining und des Nordfriesischen Vereins ja so etwas wie das Herz der nordfriesischen Kulturpflege.

Da ich erst vor kurzem mein Amt als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten angetreten habe, ist die heutige Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Nordfriisk Instituut zur friesischen Geschichte, Sprache und Kultur für mich eine wunderbare Möglichkeit, mich unmittelbar vor Ort und aus erster Hand über die friesische Volksgruppe näher zu informieren.

Besonders faszinierend, das muss ich sagen, ist für mich die Sprachvielfalt innerhalb der friesischen Volksgruppe

Damit meine ich nicht nur, dass die Nordfriesen Nordfriesisch, die Saterfriesen Saterfriesisch, die Ostfriesen Niederdeutsch und die Westfriesen in den Niederlanden Westfriesisch sprechen.

Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass innerhalb eines vergleichsweise kleinen Sprachgebietes wie dem des Nordfriesischen noch einmal diverse Sprachvarietäten unterschieden werden: Ich habe gelernt, dass es nicht nur die Unterteilung in Inselnordfriesisch und Festlandsnordfriesisch gibt, sondern auch noch zahlreiche unterschiedliche Mundarten innerhalb dieser beiden Dialektgruppen. Diesen Sprachreichtum zu erhalten, ist eine gewaltige Herausforderung.

Das Nordfriisk Instituut als zentrale wissenschaftliche Einrichtung in Nordfriesland für die Pflege, Förderung und Erforschung der friesischen Sprache, Geschichte und Kultur leistet hierzu einen unverzichtbaren Beitrag – und das seit mittlerweile über fünfzig Jahren. 

Dies ist auch ein Grund, weshalb die Bundesregierung in den vergangenen Jahren immer wieder Projekte des Nordfriisk Instituut finanziell gefördert hat.

Im Jahr 2015 hat die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien den Erweiterungsbau des Nordfriisk Instituut mit Bundesmitteln in Höhe von 420.000 Euro gefördert.

Die neue Dauerausstellung, deren Eröffnung wir heute feiern, ist im letzten Jahr noch einmal mit einem weiteren Betrag aus dem Bundeshaushalt in Höhe von 310.000 Euro gefördert worden.

Daran können Sie alle sehen, dass die wertvolle Arbeit, die das Nordfriisk Instituut für die Pflege, Förderung und Erforschung der friesischen Geschichte, Sprache und Kultur leistet, von der Bundesregierung anerkannt und gerne unterstützt wird.

Meine Damen und Herren, jede der vier nationalen Minderheiten in Deutschland hat ihre besonderen Interessen und Anliegen, die ihr am Herzen liegen. Es gibt darüber hinaus aber auch einige Themen, die alle nationalen Minderheiten gleichermaßen betreffen. Eines dieser Themen ist die Frage, wie man den Erhalt der spezifischen Sprache und Kultur der nationalen Minderheit dauerhaft sichern kann. Hierzu bedarf es vielfältiger Anstrengungen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Ich möchte hier nur einen Aspekt herausgreifen, den ich für besonders wichtig halte: 

Der dauerhafte Erhalt der Sprache und Kultur einer nationalen Minderheit ist nur dann möglich, wenn es gelingt, auch die junge Generation für dieses Anliegen zu gewinnen. Deshalb sind Angebote, von denen sich auch jüngere Leute angesprochen fühlen, so überaus wichtig. Eine interaktive Ausstellung wie im Nordfriisk Instituut kann genau solch ein Angebot sein.

Die Art und Weise, wie Ausstellungen heutzutage präsentiert werden, nämlich weg von reinen Texttafeln hin zu multimedialen Formen der Wissensvermittlung, mag nicht jedem gefallen, der von früher eine andere Art von Ausstellungspräsentation gewohnt ist und mit Multimedia-Angeboten erst einmal nicht viel anfangen kann.

Eine Einrichtung, die mit ihren Ausstellungen eine möglichst große Zahl von interessierten Menschen erreichen möchte, muss jedoch mit der Zeit gehen. Und die heutige Zeit bringt es nun einmal mit sich, dass viele Menschen mittlerweile andere Erwartungen an die Art und Weise der Wissensvermittlung haben, als dies noch vor ein paar Jahren der Fall war. Hierzu gehört auch, die Ausstellungsbesucher durch interaktive Elemente stärker einzubinden und durch multimediale Angebote anders anzusprechen als früher. 

Aber es geht nicht nur darum, die Erwartungen der Besucher an eine moderne Ausstellungspräsentation zu erfüllen. Interaktive Elemente bieten Möglichkeiten der Wissensvermittlung, die früher nicht zur Verfügung standen. Sie können Wissen noch einmal ganz anders und im besten Falle nachhaltiger erfahrbar machen als eine herkömmliche Ausstellungskonzeption. Wer die neue Ausstellung im Nordfriisk Instituut besucht, wird dies sicher feststellen können.

Das Nordfriisk Instituut ist mit der Gestaltung der heute eröffneten interaktiven Ausstellung zur friesischen Geschichte, Sprache und Kultur bewusst diesen neuen Weg gegangen. Und das ist richtig so. Nur so bleibt man zukunftsfähig. Es erscheint mir deshalb sehr passend, dass der Erweiterungsbau des Nordfriisk Instituut, in dem die Ausstellung gezeigt wird, den Namen „Nordfriisk Futuur“, nordfriesische Zukunft, trägt.

Die Zukunft der friesischen Volksgruppe ist mir als für die nationalen Minderheiten zuständiger Beauftragter der Bundesregierung ein besonderes Anliegen. Damit die friesische Sprache und Kultur eine Zukunft haben, braucht es Institutionen und Menschen, die sich für ihren Erhalt und ihre Pflege engagieren. Ich danke deshalb dem Verein Nordfriesisches Institut als Träger des Nordfriisk Instituut sowie dem Institut selbst und seinen Mitarbeitern für ihre langjährige verdienstvolle Arbeit. 

Aber auch den anderen Vereinen und den vielen Menschen, die sich täglich für die friesische Sprache und Kultur einsetzen, gebührt meine ausdrückliche Anerkennung. Nichts trägt letztendlich mehr zum Erhalt einer Sprache und Kultur bei, als sie täglich zu sprechen beziehungsweise zu leben.

Möge nun auch die neue Ausstellung im Nordfriisk Instituut zu einer erfolgreichen Zukunft der friesischen Sprache und Kultur beitragen!

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