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Rede "Fried­land ist heu­te nach wie vor ein Tor zur Frei­heit."

Datum
05.12.2017
Redner
Dr. Günter Krings, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

[Es gilt das gesprochene Wort]

Sehr geehrter Herr Minister,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, in meiner neuen Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten heute mit Ihnen gemeinsam aus Anlass der vorweihnachtlichen Adventszeit zusammenkommen zu dürfen.

Mein Dank gilt insofern den Verantwortlichen des Landes Niedersachsen, namentlich Herrn Minister Pistorius, für Ihre freundliche Einladung.

Durch die Änderung des Bundesvertriebenengesetzes im Jahr 2013 können wir jedes Jahr einen erhöhten Zuzug an Spätaussiedlern feststellen: Vor allem das mit der Novellierung des Gesetzes verfolgte vertriebenenpolitische Ziel der Familienzusammenführung konnte so verwirklicht werden.

Es freut mich daher besonders unter den hier Versammelten so viele Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen zu sehen; es müssen mehr als 150 sein. Ich wünsche Ihnen für Ihren Neuanfang in Deutschland alles Gute! Seien Sie herzlich in Ihrer neuen Heimat willkommen!

Ich habe heute auch sehr gerne die Gelegenheit genutzt, das beeindruckende Museum Friedland zu besuchen. An diesem authentischen Ort, der wie kaum ein anderer ein Spiegelbild der gesamtdeutschen Nachkriegsgeschichte ist, können sich alle Bürger über diesen besonderen Aspekt deutscher Geschichte informieren; gleichsam lädt dieser Ort die unmittelbar Betroffenen - und es sind über vier Millionen Menschen! - zu einer Wiederbegegnung mit ihrer eigenen Biographie ein.

Das Lager Friedland zeugt von den Folgen des Zweiten Weltkrieges ebenso wie von aktuellen Kriegen und Krisen weltweit. Immer wieder bietet das Lager Menschen aus unterschiedlichsten Ländern Zuflucht. 1956 zum Beispiel sind es Flüchtlinge aus Ungarn, 1973 nach dem Militärputsch in Chile Verfolgte des Pinochet-Regimes, 1978 Bootsflüchtlinge ("Boat People") aus Vietnam und 1984 Tamilen aus Sri Lanka.

In den Wendejahren 1989/90 beherbergt das Lager Übersiedler aus der DDR, dann vor allem Aussiedler aus den Nachfolgeländern der Sowjetunion.

So sind in Friedland über die Jahrzehnte hunderttausende Aussiedler eingetroffen. Für manche ist das Lager bloß eine Durchgangsstation: kaum verlassen, schon vergessen! Für andere bleibt es jedoch ein Leben lang in Erinnerung. Für diese Menschen, vielleicht auch für einige von Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist Friedland heute nach wie vor ein "Tor zur Freiheit"

Das Tor zur Freiheit, das Friedland seit der Rückkehr der letzten zehntausend deutschen Kriegsgefangenen als Ergebnis der Moskaureise Adenauers im Jahr 1955 symbolisiert, ist heute immer noch ein Tor zur Freiheit - von Krieg, Zerstörung und Gewalt!

Und so sind heute unter uns nicht nur Spätaussiedler zugegen, die zurück in ihre alte historische Heimat Deutschland ausgesiedelt sind. Heute begegnen wir auch zahlreichen Flüchtlingen aus den unterschiedlichen Gegenden der Welt.
Wir erleben dabei, dass die Erfahrung gewaltsamer Vertreibung auch heute für unzählige Menschen schreckliche Wirklichkeit ist.

Dabei mahnt uns gerade das bevorstehende Weihnachtsfest, dass, um es mit den Worten Papst Leo des Großen auszudrücken, der Geburtstag des Herrn der Geburtstag des Friedens ist. Christliche Politik ist so stets auch und insbesondere verantwortungsvolle und nachhaltige Arbeit am Frieden. Das bedeutet ganz konkret die weltweite Ächtung von Krieg und Vertreibung und gleichsam Schutz derer, die verfolgt und bedroht sind.

Wir Christen erinnern und vergegenwärtigen uns in der adventlichen Zeit vor Weihnachten der Geburt des Gottessohnes Jesus Christus, der in die Welt kam, um allen Menschen Wahrheit und Frieden zu bringen.
Das Lukasevangelium erzählt von der Suche seiner Eltern nach einer Herberge und der Niederkunft Marias in einem Stall zu Betlehem.

Der "Retter der Welt und Friedensfürst" wird in eine Futterkrippe gelegt, da kein Platz in der Herberge ist! So wie Maria und Josef verzweifelt auf der Suche nach einer Herberge waren, so ist auch so mancher von Ihnen verzweifelt herumgeirrt auf der Suche nach einem sicheren Ort vor den Schrecken von Krieg und Tod. Nun sind Sie hier in Friedland in Sicherheit!

Es gilt in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, dass Heimat eine geographische, kulturelle und religiöse Dimension hat. Sie gehört genuin zum Menschen und seiner Geschichte und darf daher niemandem gewaltsam genommen werden. Ideologien, die Vertreibungen rechtfertigen, richten sich somit gegen die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen.

Wenn wir hier und heute mit unserem je eigenen, ganz persönlichen Leid, unseren Sorgen, aber auch mit all unseren Hoffnungen und unseren persönlichen Wünschen versammelt sind, so erhält das Wort der Edith von Stein besondere Bedeutung: "Vor der Krippe ist man mit allen verbunden, die in aller Welt verstreut sind und auch über alle Welt hinaus!"

Ich möchte nicht schließen, ohne mich bei den Mitarbeitern des BVA und des BAMF, den Mitarbeitern des Landes Niedersachsens, der kirchlichen Einrichtungen, der Friedlandhilfe und bei allen anderen freiwilligen Helfern und Förderern vor Ort herzlich dafür zu bedanken, dass Sie auch in diesem zu Ende gehenden Jahr, den Menschen, die nach Friedland gekommen sind, auf so vielfältige Weise geholfen haben. Dabei geht es nicht allein um die Organisation der Aufnahme mit ihren Verwaltungsabläufen.

Diese ist sehr wichtig; es geht aber auch, was nicht weniger wichtig ist, um Aufnahme auch in einem übertragenen Sinne, um eine Kultur des Willkommenheißens. Dafür darf ich Ihnen auch den Dank des Bundesinnenministers übermitteln.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein segensreiches Weihnachtsfest und uns heute einen fröhlichen und in gemeinsamer Verbundenheit gelebten

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